Lesegarten der Volksschule Graz St. Peter

Die Leseerziehung – die Förderung der Leselust und der Lesefertigkeit – steht ganz besonders im Mittelpunkt unserer Unterrichts- und Erziehungsarbeit.

Schon seit einigen Jahren unterstützen uns ehrenamtliche MitarbeiterInnen, um gezielt mit einzelnen Kindern an deren Lesekompetenz zu feilen. Zusätzlich soll die Freude am Lesen ein Motor für die Weiterentwicklung der Kinder werden.

Das Projekt „Lesegarten“ steht auf 3 wesentlichen Säulen:

Schüler-Schüler-Säule

„Mit Freu(n)den lesen“ und so die eigene Lesemotivation steigern: SchülerInnen aus anderen Klassen helfen mit, damit sich jedes Kind auf seinem Niveau weiterentwickeln kann. Jede Klasse der Grundstufe I hat eine Patenklasse mit älteren Schülerinnen. Diese lesen vor oder lassen sich vorlesen.

Als zweite Säule bereichern viele LesepatInnen den Leseunterricht an der VS St. Peter. Sie sind an zwei oder mehreren Tagen in den Klassen im Einsatz und erweitern unser Leseangebot.

Als dritte Säule versuchen wir die Eltern zu motivieren, mit ihrem Kind verstärkt ein Buch zur Hand zu nehmen und sich diesem zu widmen oder aber einfach die Leseaufgabe noch einmal gemeinsam zu üben und zu besprechen.

 

Wie findet ein Kind zur Lektüre? Vor allem über frühe Vorbilder, sagt die Expertin Simone C. Ehmig, Leiterin des Institutes für Lese- und Medienforschung der deutschen Stiftung Lesen. Ob Kinder gerne lesen oder nicht, ist vor allem hausgemacht. Eltern und Erziehungsberechtigte spielen die entscheidende Vorbildrolle, indem sie ihren Kindern einen natürlichen Umgang mit Büchern, Lesemedien und Texten vermitteln. Und dabei geht es nicht nur um Bücher. Für die Vorbildrolle muss es auch nicht die hohe Literatur sein, sondern das, was die Eltern eben gerne lesen. Lesen ist ja nicht nur ein Kulturgut, sondern vor allem eine Fähigkeit, die wir im Alltag ständig brauchen. Als Vorbilder sollten Eltern aber sichtbar sein als Menschen, die auch einmal in Ruhe etwas anderes lesen als SMS.

Die Schule kommt eigentlich zu spät. Man muss viel früher beginnen. Freude am Lesen vermittelt man Kindern ab dem Zeitpunkt der Geburt. Je früher Kinder auf spielerische Art und Weise mit Sprache und Lesen in Berührung kommen, desto früher bauen sie eine Beziehung zum Lesen auf. Sie lernen ganz natürlich, dass es zum Leben dazugehört. Wenn die Kinder in die Schule kommen, kommt es bei manchen zu einem Leseknick. Die Lesefähigkeit stagniert dann erst einmal, das Interesse am Lesen nimmt oft sogar ab. Ein Grund ist, dass viele Eltern sagen: „Du lernst ja jetzt selber lesen – jetzt hör ich auf mit dem Vorlesen.“ Mit dem Vorlesen aufzuhören, wenn Kinder in die Schule kommen, ist das Falscheste, was Eltern tun können.

Wie können Eltern abseits der Vorbildrolle die Leselust ihrer Kinder fördern? Über Freude und Spaß. Leistungs- oder Notendruck sind kontraproduktiv. Durch Spaß lassen sich selbst die negativen Vorstellungen vom Lesen zurechtrücken, die Kinder aus lesefernen Familien oft haben.

Warum ist es eigentlich so wichtig, dass man Kindern vorliest? Kurzfristig fördert man bei kleinen Kindern Sprachbildung und Fantasie. Es gibt aber auch langfristige Effekte. Studien haben gezeigt, dass Jugendliche, denen als Kindern vorgelesen wurde, nicht nur häufiger, intensiver und lieber lesen. Sie haben im Schnitt auch bessere Schulnoten als Jugendliche, denen nicht vorgelesen wurde. Und zwar in allen Fächern, nicht nur in Deutsch.

Was können Menschen tun, um ihren Kindern Freude am Lesen zu vermitteln? Der Schlüssel ist die Vorbildrolle. Den Lesestoff gibt es in den Bibliotheken, den muss man nicht kaufen. Es reicht aber nicht, die Medien den Kindern einfach vorzulegen. Die Eltern müssen ihn kommunikativ mit den Kindern erschließen. Man soll mit seinen Kindern darüber sprechen, was sie machen und lesen. Es spielt eine elementare Rolle, die Themen aufzugreifen, die von den Kindern kommen. Das Bildungsargument alleine bringt wenig. Es reicht nicht, den Kindern zu sagen: „Du musst viel lesen, damit du dann gute Bildungschancen hast.“ Die Kinder brauchen Vorbilder.